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Adriana ist lesbisch, 46 Jahre alt und kennt sich sowohl mit buddhistischen Praktiken und Strukturen als auch mit dem Pendant dazu im Vaishnavismus aus. In diesem Interview schildert sie die Entdeckung ihrer sexuellen Neigung, das Erwachen ihrer Spiritualität und zieht einen interessanten Vergleich zwischen der buddhistischen und vishnuistischen Herangehensweise an Homosexualität. | |
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Wie hast Du deine sexuelle Orientierung bemerkt und akzeptieren lernen? Akzeptieren musste ich sie nie, denn ich habe sie von Anfang akzeptiert. Ich bin in einer toleranten Umgebung groß geworden, meine Eltern haben das ganz selbstverständlich akzeptiert. Zum ersten Mal thematisiert habe ich das im Gespräch mit einer guten Freundin, in dem wir uns einfach über das Leben unterhalten haben. Wie sind dann drauf gekommen, dass wir Frauen lieben. Das war so mit 15 Jahren ungefähr. Wann und wie ist dein spirituelles Interesse erwacht? Das war eigentlich noch früher, als Kind, so mit 9 bis 10 Jahren ungefähr. Als Kind habe ich schon Sendungen über Indien, Vietnam, Ostpakistan und Bangladesh gesehen. Ich war von der Kleidung der Menschen dort begeistert und bemerkte, dass die nicht katholisch sind. Auch wie diese Menschen mit ihrem Schicksal umgingen in ihrer jeweiligen schwierigen Situation hat mich beeindruckt. Bei denen ging es oft um Leben und Tod und diese Frage habe auch ich mir in diesem Alter schon sehr oft gestellt: „Was ist los am Ende des Lebens?“ Und… wo bitte ist das Ende der Welt zu entdecken? Mit 13 Jahren habe ich dann etwas ganz Tiefes erfahren. Ich habe damals immer in meinem Bett an die Decke geschaut. Eines Nachmittags hatte ich das Gefühl, dass ich ein Atom bin, ein Teil von etwas Größeren, Ganzen bin - also eine Einheitserfahrung sozusagen. Als ich älter wurde, wußte ich, dass man solche Erfahrungen lieber nicht preisgibt, weil die anderen dann einen für ziemlich verrückt halten. Dieser spirituelle Aspekt meines Lebens war meinem Umfeld viel schwieriger zu erklären als der sexuelle. Ich habe festgestellt, dass die Praxis einer Spiritualität viel unverständlicher ist für andere, weil das bei Menschen, die ihr Leben noch nie tiefer in Frage gestellt haben, die Frage nach der Existenz aufwerfen kann. Und das kann Menschen in eine Panik versetzen, weil dadurch die eigene Selbstverständlichkeit in Frage gestellt wird. Das löst ganz ähnliche Reaktionen aus, wie wenn jemand sagt, dass man schwul oder lesbisch oder gar - wie ich es immer sage - queer bin. Das kann beim anderen Phobien auslösen, die er oder sie noch nicht einmal richtig definieren kann. Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich, weil ich mich selbst auf den Weg gemacht habe, die Chance gehabt habe, die Sicht der Dinge auf meine Art zu hinterfragen, und auf meine Art und Weise Menschen darauf anzusprechen, die ich für wichtige und vertrauenswürdige Informationsquellen gehalten habe. Meine Mutter, meine Zenlehrer und -lehrerinnen. Ich habe sie Löcher in den Bauch gefragt. Letztendlich konnte ich mir die Methode meiner spirituellen Praxis selber aussuchen. Ich komme aus einem katholischen Haushalt, wo letztendlich ganz klare Richtlinien einzuhalten waren (vor allem die des Vaters). Und diese Regeln habe ich auch in Frage gestellt, was ein sehr gesunder Aspekt ist. Jeder Teenager stellt Dinge in Frage und ich habe das eben schon sehr früh gemacht. Beides wurde bei mir von zu Hause aus leicht akzeptiert, denn beides, Spiritualität und Sexualität, sind sehr intime Dinge. Es wurde bei meinen Eltern als eine Frechheit angesehen, den Glauben einer anderen Person in Frage zu stellen, oder zu missionieren. Es verbietet sich einfach, weil der Mensch selbst auf diese Fragen kommen muss. Und wann er darauf kommt ist auch seine persönliche Sache und sie hat etwas mit seinem Lebensweg zu tun Auf diese Art und Weise kann ich
das, wovon ich komme, heute viel mehr würdigen und
schätzen. Deswegen kann ich auch in jedes Gotteshaus jeglicher
Religion gehen und dort die Essenz spüren. Wenn man durch die
Reinigung durchgegangen ist, dann braucht man keine Namen und
Bezeichnungen mehr.
Welche positiven und negativen Erfahrungen hast du in deinem spirituellen Leben in Bezug auf Homosexualität gemacht? Mein Weg hat mir keine Widerstände gebracht und keine negativen Erfahrungen. Ich habe meine Sexualität auch nicht überall preisgegeben, weil ich denke, dass sie an einigen Orten einfach nicht hingehört. Ich muss damit nicht hausieren gehen. Würde ich allerdings Diskriminierung in einer Form erleben, dann würde ich das nicht akzeptieren und dagegen angehen. Ich habe aber sehr positive Erlebnisse erfahren, weil ich an bestimmten Stellen sehr offen damit umgegangen bin und einige haben mich genau dafür sehr bewundert.
Welche Unterschiede hast du zwischen buddhistischen Gruppen und Vaishnava-Gruppen festgestellt? Aus dem Zen-Buddhismus heraus, der in Vietnam, Taiwan, China, Nordamerika, Europa, Kambodscha, Laos und in zwei Klöstern in Indien praktiziert wird, wird ganz klar definiert, dass Frauen nicht niedriger als Männer stehen. Sexualität spielt dort einfach keine Rolle. Es gibt dort ordinierte Gläubige, die gleichgeschlechtliche Beziehungen führen und heiraten. Manche sind sogar Lehrerinnen und Lehrer, die höchste Titel haben und offiziell getraut worden sind. Es gibt also auch anerkannte homosexuelle Ehen. Buddhismus schließt keine Götter aus aber auch keine Götter explizit ein. Aus dieser Mitte heraus will man sich selbst im anderen erkennen und diese Selbsterkenntnis im anderen macht den Frieden der Menschheit aus. Auf diese Weise braucht man im Buddhismus keine extra Anstrengungen zu machen, um einer eventuellen Diskriminierung von Homosexuellen zu begegnen, weil es einfach selbstverständlich integriert ist. Bei den Vaishnavas erinnern mich manche Organisationen mehr an die katholische Kirche. Zwischen ihnen und
den Pfingstgemeinden gibt es für mich in dieser Hinsicht keine
Unterschiede. Beide sind extrem missionarisch, homophob,
frauendiskrimierend, immer noch sehr intolerant gegenüber
anderen Glaubensgemeinschaften, auch gegenüber anderen
Vaishnavagruppen.
Was sind Deine Verbesserungsvorschläge an Führungskräfte wie Gurus und Tempelmanager und einfache Gemeindemitglieder bezüglich Homosexuelle? Wachwerden, einfach aufwachen und buddhi entwickeln. Wirkliche Erwachtheit und Erleuchtung umarmt alle und lässt andere Lebensformen zu, weil wir alle Krishnas, Gottes erwachte Kinder sind und es keinen Grund gibt, eines von Krishnas Kindern auszuschließen. Durch diese ganzen Verbote schaffen wir uns Gott so, wie wir ihn haben wollen, aber das ist nicht die Absolute Wahrheit. Ich denke, dass der Fehler im System liegt. Wenn ich von einem richtenden Gott ausgehe und in einem System von Normen lebe, in dem es Sünden gibt, dann gibt es für andersartige Menschen eben keine Toleranz und an diesem Punkt wird sich dann auch nichts ändern. Es gibt dann manchmal keine andere Lösung als diese Gruppe zu verlassen und sich diesem Thema auf der Basis der Schriften neu zu nähern und zu zeigen, dass die Wahrheit doch anders aussieht. Sünde bedeutet doch, dass wir etwas aus der Allheit und Einheit herausnehmen und uns davon abtrennen. Gott hat den Vogel geschaffen und auch die Mücke. Wir sollten beides akzeptieren und deswegen sollten wir nicht über andere Menschen richten. Die Grenze beginnt jedoch dort wo wir anderen schaden und so gilt auch im Buddhsimus, dass wir anderen Menschen nicht mit unserer Sexualität verletzen dürfen. Liebe lässt leben. |
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